Quartiersmanagement 2005 - 2020

Eine Rückschau auf 15 Jahre Quartiersmanagement in der Gropiusstadt

Fakten
Das Quartiersmanagement-Gebiet Gropiusstadt (anfangs mit Schwerpunkt auf der Lipschitzallee) umfasste beinahe den gesamten Ortsteil Gropiusstadt im Südosten Neuköllns und war mit ca. 24.000 Einwohnern auf 140 Hektar eines der größten Berliner Quartiersmanagementgebiete. Eingesetzt wurde es 2005 von der damaligen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung des Landes Berlin und dem Bezirksamt Neukölln. Es wurde als Präventionsgebiet eingestuft, was bedeutet, dass frühzeitig Maßnahmen eingeleitet wurden, um negativen Entwicklungstendenzen im Stadtteil entgegenzuwirken und zum Positiven zu wenden.

Das Quartiersmanagement-Team – bestehend aus der Kooperation zwischen den Trägern S.T.E.R.N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung mbH und FIPP e.V., Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis – nahm im September 2005 seine Arbeit auf. Ab 2015 wurde das Quartiersmanagement von der S.T.E.R.N. GmbH in alleiniger Regie durchgeführt.

Seit dem Start des Quartiersmanagements (QM bis zum Auslaufen des Programms am 31.12.2020) wurden Fördermittel in Höhe von über 8,7 Mio. Euro aus dem Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ von der EU, dem Bund und dem Land Berlin für die Realisierung von Projekten zur Verfügung gestellt.  Das ehrenamtliche und gewählte BürgerInnengremium – der Quartiersrat  – stimmte über insgesamt mehr als 390 Projekte ab. Der Handlungsschwerpunkt der meisten umgesetzten Projekte lag auf Bildung und Nachbarschaft. 

Von Anfang an standen diese beiden Themen besonders im Fokus der Quartiersmanagement-Arbeit, denn der Stadtteil hatte sich verändert. Nach einer fast durchgängig ‚“deutschstämmigen“ Bevölkerung, die nach Fertigstellung der Gropiusstadt in den 1970er Jahren die mehrheitliche Mieterschaft darstellte, zogen in den späten 1980er Jahren immer mehr Aussiedler aus den ehemaligen Sowjetrepubliken in den Stadtteil, türkisch- und arabischstämmige Familien folgten. Zugleich verschlechterten sich die Sozialdaten, ebenso das gesellschaftliche Miteinander. Segregation war die Folge. Die Menschen unterschiedlicher Herkunftsländer begegneten sich zwar im Alltag auf der Straße, hatten aber kaum etwas miteinander zu tun. 

Integration statt Segregation
Daher war es vordringlichste Aufgabe des QM, die Integration im Stadtteil zu fördern und Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Dies geschah beispielsweise dadurch, dass mit Soziale-Stadt-Mitteln die Arbeit des bis dato einzigen Integrationsvereins ImPULS und seines „Interkulturellen Treffpunkts“ unterstützt wurde. Deutschkurse, Vermittlung von berufsvorbereitenden Fähigkeiten, Kultur- und Sportangebote, Veranstaltungen wie die „Begegnung der Kulturen“, das Interkulturelle Picknick und vieles mehr erreichten über die Jahre einen immer größeren Kreis von Personen, die sich mit sich, ihrer Herkunft und der „neuen Heimat“ auseinandersetzten und im Treffpunkt Gemeinschaft und Hilfestellung erfuhren.

Vernetzte Bildungsarbeit
2008 hatte das QM-Team eine Bildungskonferenz einberufen, die den Grundstein legte für eine verbesserte und übergreifende Zusammenarbeit der Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen: Der Bildungsverbund Gropiusstadt wurde gegründet. Aufgaben sind bis heute die Einbindung der Eltern als Erziehungspartner von Kitas und Schulen, der eng begleitete Übergang der Kinder von der Kita in die Grundschule und von dort in die Oberschule, gemeinsame Aktionen im Bereich der kulturellen Bildung und der Gesundheitsförderung sowie kollegialen Austausch über Problemlagen und deren Lösungsansätze – auch und gerade mit den zuständigen Behörden. 
Als Leuchtturm-Projekt – über Soziale Stadt teilfinanziert - gilt im Handlungsfeld Bildung die Konzeption und Realisierung des Campus Efeuweg. Dies ist die Kooperation einer Gemeinschaftsschule, dem Oberstufenzentrum Lise Meitner, sowie Kita Dreieinigkeit, Hort und Jugendeinrichtung Ufo zu einer funktionierenden Bildungslandschaft. Dazu kommt das voraussichtlich bis Ende 2021 auf dem Campus-Gelände fertig gestellte Zentrum für Sprache und Bewegung. Ein für die Bewohnerinnen und Bewohner offenes Café und die Angebote der dann dort ansässigen Musik- und Volkshochschule sowie des Sportvereins ALBA Berlin schaffen die Verbindung zum Stadtteil. 

Miteinander leben und arbeiten
Wer sind die Bewohnerinnen und Bewohner in der Gropiusstadt? Wie erreicht man sie und was sind überhaupt ihre Bedürfnisse? 
Diesen Fragen stellten sich 2010 auf mehreren vom QM initiierten Workshops die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der zahlreichen sozialen Einrichtungen und der Wohnungsunternehmen der Gropiusstadt und schlossen sich  zum „Netzwerk Gropiusstadt – NWG“ zusammen. Gemeinsam wurde diskutiert, Fortbildungen wurden durchgeführt, Kooperationen eingegangen und Veranstaltungen organisiert. Die GropiusstädterInnen aus ihren Wohnungen zu locken, war dabei zunächst das Hauptanliegen. Über die Jahre gelang das immer mehr mit dem Fest zum Europäischen Tag der Nachbarschaft, mit dem Interkulturellen Picknick, der Open-Air-Musik-Veranstaltung „Blauer Mittwoch“ und der traditionellen Kaffeetafel. Die BesucherInnen dieser Veranstaltungen quasi nebenbei über das Angebot in den Nachbarschafts- und anderen Einrichtungen zu informieren war der nächste Schritt. 
Die derzeit 35 Mitglieder des Netzwerks Gropiusstadt (NWG) treffen sich alle sechs Wochen um anstehende Themen zu diskutieren, Veranstaltungen zu organisieren, Synergien zu nutzen und sich fachlich auszutauschen. 

Wegweiser in die Zukunft
Leider kann auch der Einsatz eines Quartiersmanagements nicht alle Probleme im Stadtteil lösen. Manche Probleme verschwinden, neue tauchen auf. Entscheidend jedoch war und ist, dass in der Gropiusstadt während der Förderperiode von 2005 bis 2020 verlässliche Netzwerke und Partnerschaften entstanden sind, die fähig sind, auf Problemlagen zu reagieren. 

Wichtige Player, damit sich die Gropiusstadt in ihrem sozialen Gefüge weiterhin relativ stabil hält, sind ohne Zweifel die Nachbarschaftseinrichtungen wie das Selbsthilfe- und Stadtteilzentrum mit seinen Standorten Waschhaus-Café und Selbsthilfezentrum, der ImPuls e.V. mit seinem Interkulturellen Treffpunkt, das Nachbarschaftszentrum Wutzkyallee und das Frauen-Café. 

Aber auch qualifizierte Freiflächen und deren Nutzung wurde und wird weiterhin wichtiger Bestandteil für ein gutes Leben und Wohnen in der Gropiusstadt sein. So wird die Gropiusmeile – ein Fitnessparcours – über das Städtebauförderprogramm „Zukunft Stadtgrün“ ab 2020 umgestaltet, Spiel- und Sportflächen werden aufgewertet, Barrieren und Gefahrenstellen im Straßenverkehr beseitigt, die Orientierung im Stadtteil mittels eines Wegeleitsystems verbessert und die klimagerechte Gestaltung von Grünflächen und Plätzen angestrebt. Auch die Um- und Neugestaltung der Freiflächen auf dem Campus Efeuweg wird über „Zukunft Stadtgrün“ realisiert.

So hat die Gropiusstadt mit der Förderung über das Programm Soziale Stadt eine gute Basis erhalten, um sich zukünftigen Herausforderungen zu stellen. Sicher ist, dass Bezirksamt Neukölln, Akteure und Bewohnerinnen und Bewohner vor Ort diesen Prozess weiter begleiten werden - sei es aktiv oder im Hintergrund: Es bewegt sich etwas in der Gropiusstadt!