Ideal-Hochhaus

Als das Hochhaus der Baugenossenschaft Ideal in der Fritz-Erler-Allee 120 nach knapp dreijähriger Bauzeit ab März 1969 bezogen wurde, war es das höchste Wohnhaus in der Bundesrepublik. Diesen Superlativ kann es mit seinen 90,85 Metern Höhe und 31 Stockwerken jetzt zwar nicht mehr in Anspruch nehmen, damals waren aber eine Anlage mit 3 Aufzügen und Müllschlucker mit automatischer Feuerlöscheinrichtung schon einige Medienberichte wert. Selbst der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann ließ sich einen Besuch nicht nehmen.

Der Entwurf zu dem Bau stammte von Prof. Walter Gropius und seinem Büro TAC (The Architect Collaborative), die Ausführungsplanung  von Heinz Viehrig. Die Bauausführung lag bei der Firma Anton Schmittlein. Damals neu war das Verfahren, das Gerüst mit dem Baufortschritt in die Höhe wandern zu lassen. 13.850 Kubikmeter Beton und 1.470 Tonnen Stahl wurden verarbeitet!

Am Ende der Bauzeit waren 228 Wohnungen von 1 - 3 Zimmern und im Erdgeschoss 5 Gewerbeeinheiten bezugsfertig. Im 31. Stockwerk richtete die Genossenschaft einen Gemeinschaftsraum für Familienfeiern ihrer Mitglieder ein, von dem man einen phantastischen Ausblick auf die Umgebung hat. Mit einem Restaurant-Pavillon (auch ein Gropius-Entwurf!), Garagen  und einer Parkpalette für insgesamt knapp 100 Fahrzeuge waren die Bauarbeiten 1971 abgeschlossen.

Nun beharrte Walter Gropius darauf, sein Werk noch mit einer Skulptur zu schmücken und hatte auch schon einen Künstler im Sinn, der sie schaffen sollte. Hanspeter Fitz lieferte den Entwurf einer abstrakten rund 100 Kubikmeter großen aus filigranem perforiertem Stahl gefertigten Form, für die insgesamt mehr als 70.000 DM veranschlagt wurden.  Da der Künstler vor Beginn der Arbeiten an seinem Werk Selbstmord beging, wurde die Skulptur von einem Verwandten vollendet, zumal Fitz den Entwurf und die notwendigen Daten hinterlassen hatte. Mit einem Gewicht von 1,3 Tonnen und einer Grundfläche von 50 Quadratmetern wurde sie Mitte Dezember 1969 an drei Stahlseilen im Innenhof des Hochhauses in zehn Metern Höhe aufgehängt. 1985 musste sie wegen mangelnder Sicherheit abgebaut werden. Sie erlitt damit das gleiche Schicksal wie mehrere Kunstwerke in der Gropiusstadt, mit denen man wenig kunstsinnig umgegangen ist.

Seit zwanzig Jahren ist das Hochhaus an einem Sonntag im Januar Schauplatz des Tower-Run, eines Treoppenmarathons über die 465 Stufen bis hoch hinauf ins 29. Stockwerk. Er wird in verschiedenen Leistungsklassen durchgeführt und eine besondere Gruppe bilden Feuerwehrleute mit 30 Kilo Gepäck. Der Rekord liegt zurzeit bei 3:16 Minuten.

Text:
Hans-Georg Miethke